die Beiträge von Christina und Sebastian haben mich gestern länger über die Rolle der Sprache bei dem Dokument nachdenken lassen. Das Problem an dem Wort "Manifest" ist wahrscheinlich wirklich, dass der Begriff mit offiziell verlautbarten Forderungen verbunden ist, die eine offene Kommunikation über innovative Lehr-Lernformen (mit digitalen Medien) von vorne herein einschränken.
Den Vorschlag anstatt Antworten mit Fragen zu formulieren finde ich eine hervorragende Idee für die Lösung dieses Problems. Allerdings wäre es dann trotzdem wichtig auf die Fragen auch mögliche Antworten anzubieten. Diese Antworten müssen ja nicht in Stein gemeißelt sein, sollten aber schon eine Position beziehen. Und genau an diesem Punkt ermöglicht das Etherpad-Tool ja die Möglichkeit an einem "lebendigen Dokument" zu arbeiten, was es allen an so einem Grundsatzpapier interessierten Personen ermöglicht sich an dem Aushandlungsprozess zu beteiligen.
Ob die Außenwirkung eines solchen Dokuments dazu führt, dass sich Leute ausgrenzt fühlen, weiß ich nicht. Denn wenn Inhalt und Form des Dokuments offen sind, kann es durchaus auch Aufforderungscharakter für eine Beteiligung haben. Wichtig schätze ich eher die Innenwirkung eines solchen "konstituierenden" Dokuments für die Educamp-Community ein.
Anstatt konkrete Ziele und Programme zu formulieren, fände ich eine Diskussion der gemeinsamen Werte spannend. Also konkret: Was haben die Themen und Projekte für die sich "EduCamperInnen" engagieren gemeinsam? Vielleicht ist es möglich eine Reihe von Begriffen zu finden, die diejenigen Gemeinsamkeiten betonen mit denen sich alle identifizieren können.
Bei den Formulierungen im ersten Teil des Dokuments finde ich das schon sehr gut gelungen (z.B. "Wir sind vernetzte Teilnehmer einer zunehmend technisierten digitalisierten Informations- und Wissensgesellschaft", "Darüber wollen wir mit allen Interessierten in konstruktiven Austausch treten". "Hierzu treffen wir uns regelmäßig auf partizipativ organisierten Konferenzen"). Die Forderungen im Anschluss würde ich auch streichen.
Liebe Grüße,
Tom
PS: Zur wichtigen Rolle der Sprache hier ein interessanter Vortrag von Georg Lakoff: http://www.youtube.com/watch?v=jNLP88aTg_8&feature=related
PPS: Vielleicht hat ja der ein oder andere von euch Interesse auf dem EduCamp in Graz in einer Session solchen Fragen nachzugehen






