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Das EduCamp-Manifest ist da!

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am 11.09.2009 geschrieben am 11.09.2009 geschrieben

Hallo zusammen,
die Beiträge von Christina und Sebastian haben mich gestern länger über die Rolle der Sprache bei dem Dokument nachdenken lassen. Das Problem an dem Wort "Manifest" ist wahrscheinlich wirklich, dass der Begriff mit offiziell verlautbarten Forderungen verbunden ist, die eine offene Kommunikation über innovative Lehr-Lernformen (mit digitalen Medien) von vorne herein einschränken.
Den Vorschlag anstatt Antworten mit Fragen zu formulieren finde ich eine hervorragende Idee für die Lösung dieses Problems. Allerdings wäre es dann trotzdem wichtig auf die Fragen auch mögliche Antworten anzubieten. Diese Antworten müssen ja nicht in Stein gemeißelt sein, sollten aber schon eine Position beziehen. Und genau an diesem Punkt ermöglicht das Etherpad-Tool ja die Möglichkeit an einem "lebendigen Dokument" zu arbeiten, was es allen an so einem Grundsatzpapier interessierten Personen ermöglicht sich an dem Aushandlungsprozess zu beteiligen.
Ob die Außenwirkung eines solchen Dokuments dazu führt, dass sich Leute ausgrenzt fühlen, weiß ich nicht. Denn wenn Inhalt und Form des Dokuments offen sind, kann es durchaus auch Aufforderungscharakter für eine Beteiligung haben. Wichtig schätze ich eher die Innenwirkung eines solchen "konstituierenden" Dokuments für die Educamp-Community ein.
Anstatt konkrete Ziele und Programme zu formulieren, fände ich eine Diskussion der gemeinsamen Werte spannend. Also konkret: Was haben die Themen und Projekte für die sich "EduCamperInnen" engagieren gemeinsam? Vielleicht ist es möglich eine Reihe von Begriffen zu finden, die diejenigen Gemeinsamkeiten betonen mit denen sich alle identifizieren können.
Bei den Formulierungen im ersten Teil des Dokuments finde ich das schon sehr gut gelungen (z.B. "Wir sind vernetzte Teilnehmer einer zunehmend technisierten digitalisierten Informations- und Wissensgesellschaft", "Darüber wollen wir mit allen Interessierten in konstruktiven Austausch treten". "Hierzu treffen wir uns regelmäßig auf partizipativ organisierten Konferenzen"). Die Forderungen im Anschluss würde ich auch streichen.
Liebe Grüße,
Tom

PS: Zur wichtigen Rolle der Sprache hier ein interessanter Vortrag von Georg Lakoff: http://www.youtube.com/watch?v=jNLP88aTg_8&feature=related

PPS: Vielleicht hat ja der ein oder andere von euch Interesse auf dem EduCamp in Graz in einer Session solchen Fragen nachzugehen

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am 13.09.2009 geschrieben am 13.09.2009 geschrieben

Hallo,

ich erinnere mich an den Start der Diskussion in Berlin. Damals war die Überlegung, Forderungen an die Politik zu formulieren.

Wenn wir dies weiterhin wollen ist es angesichts der Nähe der Bundestagswahl zu spät, um noch Gehör zu finden. Andererseits habe ich den Eindruck, dass es bildungspolitisch in den nächsten Jahren um eine Neujustierung der Bedeutung des Föderalismus im Bildungssektor gehen wird. Hier könnte man versuchen sich gezielt zu positionieren.

Ich bin mir aber nicht sicher, ob es heute schon gut ist, sich an die Politik zuwenden.

Ein Manifest kann genauso eine Definition des eigenen Selbstverständnisses sein. Hier müsste es für mich um die eigene Haltung als lehrend Lernende und die Bedeutung der Vernetzung untereinander gehen. Dies wäre jedoch vielmehr eine 'Bewegung von unten', die wir schon lange sind.

Als solche müssten wir sagen:
- wir tun was warum und wie und fragen nicht um Erlaubnis
- wir könnten mit anderen Spiel- und Freiräumen effektiver werden, aber wir sind davon nicht abhängig. Die Bildungsexpedition hat das sehr schön gezeigt.

Wir bräuchten dann in einem Manifest eine Sprache, die auch außerhalb verstanden wird. Ist das Manifest anschlussfähig und motivierend gegenüber dem Durchschnittslehrer, erreicht es den Maschinenbaudozenten an der Uni und den Vertriebstrainer im Unternehmen?

Last uns aufpassen, dass wir kein Subkultur sind. Wir sind doch Mainstream. Oder?
zumindest sollte das der Anspruch sein

Der Einstieg ins Manifest ist m.M. nach unglücklich. Das Internet und netzbasierte Kommunikation und Kollaboration ist ein Werkzeug, dass unsere Haltung eines offenen und kollaborativen Lernens wirkungsvoll unterstützt. LdL braucht z.B. das Netz nicht. Es geht um die Geisteshaltung. Aber das Netz unterstützt die Haltung und schafft neue Möglichkeiten.

Über das Netz hat eine Gruppe von Menschen zusammengefunden, die trotz unterschiedlichster Ansätze an verschiedensten Orten ähnliches vorantreibt und dies für zukunftsweisend hält.



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am 13.09.2009 geschrieben am 13.09.2009 geschrieben

Ralf Hilgenstock:

"Es geht um die Geisteshaltung. Aber das Netz unterstützt die Haltung und schafft neue Möglichkeiten."

- Genau. Dies allerdings ganz gewaltig.

am 13.09.2009 von Jean-Pol Martin bearbeitet.

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am 15.09.2009 geschrieben am 15.09.2009 geschrieben

Lieber Thomas und alle,

Thomas Sporer:

Anstatt konkrete Ziele und Programme zu formulieren, fände ich eine Diskussion der gemeinsamen Werte spannend. Also konkret: Was haben die Themen und Projekte für die sich "EduCamperInnen" engagieren gemeinsam? Vielleicht ist es möglich eine Reihe von Begriffen zu finden, die diejenigen Gemeinsamkeiten betonen mit denen sich alle identifizieren können.


Ich halte das für einen sehr konstruktiven Vorschlag - gerade weil doch anscheinend sehr unterschiedliche Vorstellungen davon herrschen, was ein EduCamp ist, sein soll oder sein kann. Und auch die Idee, dazu wichtige Fragen zu formulieren, an denen wir arbeiten, finde ich gut. Und natürlich muss man dann auch zumindest erste Gedanken dazu anbieten, wie diese Fragen beantwortet werden können - wenn wir die Fragen schon fertig beantworten können, müssten wir die Fragen ja nicht mehr stellen. Es müsste also deutlich sein, dass es "Antworten under construction" sind bzw. noch besser "Überlegungen under construction"



Thomas Sporer:

PS: Zur wichtigen Rolle der Sprache hier ein interessanter Vortrag von Georg Lakoff: http://www.youtube.com/watch?v=jNLP88aTg_8&feature=related

Danke für den Link!

Thomas Sporer:

PPS: Vielleicht hat ja der ein oder andere von euch Interesse auf dem EduCamp in Graz in einer Session solchen Fragen nachzugehen



Interesse hätte ich - leider kann ich aber zu diesem Termin nicht nach Graz kommen.

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am 20.09.2009 geschrieben am 20.09.2009 geschrieben

Hallo zusammen,

erstmal vielen Dank an alle für die umfangreichen und hilfreichen Anmerkungen der letzten Tage! Ich habe versucht alle Eure Hinweise in eine neue Version einzuarbeiten und habe sie auf der Wiki-Seite und im Etherpad entsprechend aktualisiert.

Folgende Änderungen sind eingeflossen:
1. Begrifflich geht es vom Manifest weg zum EduCamp-Selbstverständnis. Das erscheint mir am sinnvollsten, um ein gemeinsames Leitbild auszudrücken. Bin da aber weiterhin offen für begründete Alternativen. "Programm" halte ich für zu allgemein und wenig aussagekräftig.

2. Die Struktur wurde grundsätzlich in eine Frage-Antwort-Abfolge umgewandelt, um Aspekte der Flexibilität und Offenheit aufzugreifen. Auch hierzu gerne Rückmeldung von Euch!

3. Unter "Was bedeutet es im Detail?" habe ich zentrale Begriffe, die gemeinsame Wertvorstellungen ausdrücken können, aufgegriffen: "Vernetzung, offene Partizipation, Kollaboration und Diskussion" Falls Ihr hier andere oder weitere Vorschläge habt, dann gerne Ergänzungen!

4.Der Technikschwerpunkt beim Umgang mit digitalen Medien wurde etwas verlagert und auch der soziale Raum als Rahmen für Lern-Handlungen betont.

5. Der konstruktive Diskurs und Wunsch zum Austausch wurden stärker herausgehoben.

6. Weitere Ergänzungsvorschläge u.a. von Sandra und Thomas wurden eingearbeitet.

Soweit die Anpassungen.
Auf gehts in die letzte Runde! Bitte gebt Eure Anmerkungen und Hinweise zur neuen Version noch bis zum 24. September!!

Viele Grüße
Marcel

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am 24.09.2009 geschrieben am 24.09.2009 geschrieben

Hallo,

ich kann mich mehreren Meinungssträngen anschliessen und finde mich in anderen weniger wieder.

Der Diskussion grundsätzlich ist aber zu entnehmen, dass wir als "EduCamper/innen" uns selbst in einigen Fragen nicht ganz einig sind, die als Grundsatzfragen definiert werden können.

Nach einigem Hin- und Herdenken bin ich im Moment auf dem Stand, dass es gerade die Offenheit ist, die uns auszeichnet und die wir auch brauchen, um Sachverhalte zu sehen, die andere in "eingefahrenen" Strukturen nicht oder erst später sehen.

Daher denke ich auch - obwohl ich schon mit am Manifest "rumformuliert" habe - dass wir keines brauchen.
Gerade die Passagen vor den Forderungen finde ich zu allgemein, um "der Rede wert" zu sein.

Leitideen als Begriff für ein Formulieren von gemeinsamen Grundgedanken finde ich definitiv passender Forderungen, die daraus folgen und die an eine bestimmte Adresse gerichtet sind, finde ich fast zwingend, sonst machen wir das alles um unser selbst willen (bestenfalls noch um der Sache willen).

Lasst uns doch in Graz darüber reden! face to face

Bei mir sieht es so aus, als ob ich kommen könnte.

Stefanie

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am 28.09.2009 geschrieben am 28.09.2009 geschrieben

Hallo zusammen,

das EduCamp-Selbstverständnis steht nun in der vorläufigen Endversion bereit und kann natürlich auch gerne noch weiter diskutiert werden: http://educamp.mixxt.de/networks/wiki/index.EduCamp-Manifest

Vielen Dank nochmal an Euch alle für den wertvollen Input!

Viele Grüße
Marcel

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am 29.09.2009 geschrieben am 29.09.2009 geschrieben

ich habe gestern den Text einfach mal glattgezogen - einige Dinge geändert, über die ich beim Lesen gestolpert bin, wie "digitale Generation", einige Tautologien entfernt und den Text gestrafft. Tut mir leid, dass ich es nicht umfassend dokumentiert habe - ich hoffe, Ihr verzeiht mit. Habe auch die Frist gar nicht gesehen....
Wenn ich mich richtig erinnere, sind alle Änderungen in den ersten 2 Absätzen. Christian

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am 01.10.2009 geschrieben am 01.10.2009 geschrieben

Hallo Christian,

erstmal vielen Dank für Deinen Input!
Ich dokumentiere hier mal Deine Änderungswünsche und stelle sie damit zur Diskussion, bevor wir die aktuelle Selbstverständnis-Version entsprechend anpassen.

1. Anpassung des Begriffes "digitale Generation"
--> Was spricht gegen die Verwendung des Begriffes "digitale Generation"?

2. "Wir sind vernetzte Teilnehmer einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft, in der (Web-)Technologien nicht mehr wegzudenken sind und eine wichtige Rolle im Alltag spielen."
--> wichtig waren hier bisher vor allem die Begriffe "permanent" und "überall", die auf ubiquitäres Lernen schließen lassen (also weniger tautologisch zu verstehen)

3. "Wir sind Lernende und Lehrende, die das Internet insbesondere zur Unterstützung von Lernprozessen einsetzen."
--> "in allen Lebenslagen" sollte hier stärker positionierend wirken, kann aber auch richtigerweise weggelassen werden, um eine Redundanz zu vermeiden

4. "Unser Tagesablauf ist vom Internet geprägt" wurde entfernt.
--> sollte in diesem Fall auch betonend wirken

5. "Wir praktizieren VERNETZTES Lehren und Lernen..."
--> Die ursprüngliche Form "gelebtes" Lehren und Lernen soll gezielt darauf hinweisen, dass nicht nur über den Einsatz von Werkzeugen und Methoden auf dem EduCamp geredet wird, sondern dieser auch praktisch sowohl auf dem Event als auch in den jeweiligen Kontexten der Teilnehmer stattfindet.

6. "Letztlich geht es darum, Lehren und Lernen als selbstbestimmten, kommunikativen und kollaborativen Prozess nachhaltig zu verändern! Digitale Medien und ihr Einsatz haben hier eine zentrale Bedeutung als Katalysator."
--> Der erste Satz ist meines Erachtens sehr gut umformuliert!
--> beim zweiten Satz könnte "didaktische Innovation" vielleicht bleiben?

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am 16.01.2010 geschrieben am 16.01.2010 geschrieben

Lisa Rosa hat gestern ein TOLLES Video-Statement im Vorfeld ihrer Beteiligung an der Podiumsdiskussion zum EduCamp Hamburg gegeben, in dem sie auch auf das EduCamp-Selbstverständnis eingeht: http://www.youtube.com/watch

Darin erklärt sie, dass das Internet schon längst als Leitmedium betrachtet werden muss und daher folgende abgemilderte Form im Selbstverständnis eigentlich zu kurz greift: "Wir erkennen, dass der Umgang mit dem Internet als Werkzeug im Klassenzimmer, Seminarraum, Hörsaal, Büro und im Alltag nicht nur ein wichtiger Sozialisationsfaktor, sondern auch eine sinnvolle Ergänzung für die Bildung von heute und morgen sein kann." Es sollte doch eher verbindlicher als dringende Notwendigkeit formuliert sein.

Ich möchte das an dieser Stelle sehr gerne zur Diskussion stellen, da ich persönlich dieser Argumentation nur zustimmen kann!

Den ganzen Blog-Beitrag mit weiteren ergänzenden Argumenten kann man hier lesen:
http://shiftingschool.wordpress.com/2010/01/15/educamp-2010-in-hamburg-ec10hh/

Auch Helge hat sich in einem Kommentar auf Youtube dazu geäußert: "Auf dieses Selbstverständnisdokument hab ich nie was gegeben. Insofern zähl ich mich nicht zu den 'EduCampern', die das Dokument unterstützen. Nur weil paar Leute Lust dran haben mal eben unter Zeitdruck ein "Manifest" zu bauen... heisst das nicht dass sie Recht haben."

Also aus meiner Sicht ging es nicht darum, unter Zeitdruck schnell ein Online-Dokument zusammenzustellen, sondern in einem Aushandlungsprozess ein Verständnis dafür zu vermitteln, wie man sich als EduCamper/-in sieht und was man vor allem "Neulingen" vermitteln will, um sie für das Veranstaltungsformat zu begeistern. Und dass es kein abgeschlossenes Thesenpapier darstellt, kann man sicherlich auch daran erkennen, dass das Selbstverständnis jederzeit weiter diskutiert werden kann und soll! Insofern fände ich es klasse, Helge, wenn Du konkret Kritikpunkte benennst, die Dich daran stören, damit man es weiterentwickeln kann

Und an alle:
Was meint Ihr dazu?
Sind wir in unserem Selbstverständnis noch zu harmlos, zu vorsichtig?
Messen wir dem Internet als solches zu wenig Bedeutung bei?
Wie könnten wir das Selbstverständnis zusammen anpassen?

Hier nochmal der Link: http://educamp.mixxt.de/networks/wiki/index.EduCamp-Manifest

am 16.01.2010 von Marcel Kirchner bearbeitet.

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