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Das EduCamp-Manifest ist da!

Beitrag verlinken am 16.01.2010 geschrieben
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Marcel Kirchner:

Und an alle:
Was meint Ihr dazu?
Sind wir in unserem Selbstverständnis noch zu harmlos, zu vorsichtig?
Messen wir dem Internet als solches zu wenig Bedeutung bei?
Wie könnten wir das Selbstverständnis zusammen anpassen?



Ich habe "weiter vorne" in der Diskussion folgendes geschrieben und möchte es nochmal einbringen:

>> Brauchen jetzt eigentlich alle, die etwas bewegen wollen ein Manifest? Waren die 10 Gebote auch ein Manifest? Ertrinken wir bald in Manifesten? <<

Ich persönlich habe mich in meinem Lebensverständnis (und -handlung) dafür entschieden, mir keine Manifeste "aufzuerlegen". Warum?

Weil ich mich nicht auf einen Plan reduzieren möchte bzw. mich von selbigem einengen lassen. Wenn etwas gut ist, dann bin ich dabei, wenn es sich nicht gut anfühlt, dann nicht! - Da kann kein tolles Manifest dieser Welt etwas daran ändern...

Heinz von Foerster beschreibt das sehr gut im Zusammenhang mit Ethik** (Austauschbar mit Manifest):
(...) "Denn in dem Moment, wo ich anfange über Ethik zu sprechen, in dem Sinne, was Ethik ist und was sie soll et cetera et cetera, rutscht die ganze Diskussion in das Moralisieren ab. Dann fange ich damit an, was man tun darf, was man nicht tun darf, über was man sprechen darf, über was man nicht sprechen darf et cetera et cetera."

Von daher sind Manifeste sehr nett zum Reflektieren: Wo stehe ich gerade, wo möchte ich hin, was ist mir wichtig, wie möchte ich mich in dieser Welt bewegen etc.

Im nächsten Moment kann ich es aber nicht mehr brauchen, denn ich gehe ja weiter und das Manifest bleibt stehen....

**HvF, Monika Bröcker: "Teil der Welt", Carl Auer
http://www.amazon.de/Teil-Welt-Fraktale-einer-Foersters/dp/3896705571/ref=sr_1_15?ie=UTF8&s=books&qid=1263654360&sr=8-15




Beitrag wurde am 16.01.2010 vom Verfasser bearbeitet
Beitrag verlinken am 16.01.2010 geschrieben
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@Alexander
Ganz meiner Meinung, Alexander. Educamp ist eine Plattform, auf der spontan gehandelt werden kann. Das macht Educamp so attraktiv. Da die Situation sich permanent verändert, ist ein Manifest schon ein Tag später nicht mehr up to date!
Beitrag verlinken am 16.01.2010 geschrieben
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@Alex und @Jean-Pol:

Na deswegen hatten wir es ja auch im Diskussionsprozess in ein "Selbstverständnis" umbenannt, dass als "lebendiges" Dokument an den schnellen Wandel beim Einsatz des Internet für Bildungszwecke angepasst werden soll und Orientierung vor allem für Neulinge bieten kann.
Beitrag verlinken am 17.01.2010 geschrieben
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@Marcel
Ich verstehe. Nur, dass das "Selbstverständnis" einer Kommunikationsplattform wie Educamp mit ca. 800 Mitgliedern, mit Inhalten, die sich kontinuierlich verändern und einer ebenfalls sich ununterbrochen verändernden Umwelt mit den rasante Entwicklungen kaum Schritt halten kann. Die Plattform Educamp ist an sich eine ganz tolle Einrichtung, deren Zweck offensichtlich ist und keine programmatische Untermauerung braucht. Aber ein bisschen Reflexion ist auch nicht schlecht. Insofern führt auch die Erstellung eines Manifestes zur Gedankenvertiefung.
Beitrag verlinken am 17.01.2010 geschrieben
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Marcel Kirchner:

"Selbstverständnis" umbenannt, dass als "lebendiges" Dokument an den schnellen Wandel beim Einsatz des Internet für Bildungszwecke angepasst werden soll und Orientierung vor allem für Neulinge bieten kann.


Ich bin mir wirklich nicht sicher, ob ein Manifest das bieten kann. Es ist doch ähnlich, wie mit dem Web2.0: Kann das jemand verstehen, nur weil er eins der vielen Manifeste gelesen hat?
Meine Erfahrung ist ein klares NEIN! Ein Verstehen geht einher mit dem Mitmachen. So sehe ich das auch mit der Ecucamp-Bewegung.

Jean-Pol Martin:

Die Plattform Educamp ist an sich eine ganz tolle Einrichtung, deren Zweck offensichtlich ist und keine programmatische Untermauerung braucht. Aber ein bisschen Reflexion ist auch nicht schlecht. Insofern führt auch die Erstellung eines Manifestes zur Gedankenvertiefung.


Alles Weitere kann dann auf den educamps bzw. hier in den Foren (auf) geklärt werden. Das Modell ist offen und jeder kann mitmachen. Die Hemmschwelle kann man durch eine entsprechende Atmosphäre durch die Camper sehr niedrig halten, das Mitmachen können wir den Interessierten nicht abnehmen....

PS: Mir kam gestern noch eine Frage in den Sinn: Sind Lehrpläne eigentlich auch Manifeste des Bildungssystems?
Beitrag wurde am 17.01.2010 vom Verfasser bearbeitet
Beitrag verlinken am 17.01.2010 geschrieben
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Marcel Kirchner:

Auch Helge hat sich in einem Kommentar auf Youtube dazu geäußert: "Auf dieses Selbstverständnisdokument hab ich nie was gegeben. Insofern zähl ich mich nicht zu den 'EduCampern', die das Dokument unterstützen. Nur weil paar Leute Lust dran haben mal eben unter Zeitdruck ein "Manifest" zu bauen... heisst das nicht dass sie Recht haben."

Also aus meiner Sicht ging es nicht darum, unter Zeitdruck schnell ein Online-Dokument zusammenzustellen, sondern in einem Aushandlungsprozess ein Verständnis dafür zu vermitteln, wie man sich als EduCamper/-in sieht und was man vor allem "Neulingen" vermitteln will, um sie für das Veranstaltungsformat zu begeistern. Und dass es kein abgeschlossenes Thesenpapier darstellt, kann man sicherlich auch daran erkennen, dass das Selbstverständnis jederzeit weiter diskutiert werden kann und soll! Insofern fände ich es klasse, Helge, wenn Du konkret Kritikpunkte benennst, die Dich daran stören, damit man es weiterentwickeln kann


Marcel, die erste Frage die ich hätte wäre: Warum braucht es ein Manifest, also Ein lat. manifestus, „handgreiflich gemacht“, eine öffentliche Erklärung von Zielen und Absichten, oft politischer Natur? (Quelle: Wikipedia)

Wie so kann man nicht mal einfach etwas *sein lassen* und es *sich entwickeln lassen*, ohne es gleich politisch zu instrumentalisieren oder zu erklären?

Bevor "man" sich öffentlich erklärt und das vor allem für eine Gruppe von Leuten tut, muss man eigentlich erstmal sehr sorgsam prüfen, ob man die "vibes" der Community getroffen hat, aus meiner Sicht. Ich finde mich in dem Manifest nicht wieder. Ich kann mich super dran erinnern unter welchen Umständen es zustande kam. Und da war schon ein Termin genannt bis zu dem das Manifest bitteschön fertig sein sollte. Steht doch dazu!

Ich brauch kein Manifest und habe demnach auch nicht den "Drive" da irgendwas dran zu kritisieren oder zu verbessern. Ich halte das Manifest an sich für unnötig. Für mich bestände die Verbesserung in einer Verwerfung.

Marcel Kirchner:

Und an alle: Was meint Ihr dazu? Sind wir in unserem Selbstverständnis noch zu harmlos, zu vorsichtig?


Wie gesagt, man langt wieder bei der Frage an, "Was soll denn damit erreicht werden?" und "Welchem Ziel soll das Manifest dienen?". Ganz offenbar schwebt Dir, Marcel da ja Konkretes vor, wenn Du fragst, ob es eventuell zu "harmlos" ist, oder?

Grüße, Helge
Beitrag verlinken am 18.01.2010 geschrieben
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Ähnlich, wie Jean-Pol, Alexander und Helge verstehe ich es ebenso. Das Selbstverständnis einer Gruppe befindet sich in einem stetigen Wandel. Ich empfinde es als sehr schwer, schriftlich das unerschöpfliche Entwicklungspotenzial festzuhalten. Es dennoch zu versuchen ist notwendig, wenn das Edu-Camp Netzwerk neue Impulse von Interessierten außerhalb, am Rande oder im innerener Community augfreifen möchte und für eine Weiterentwicklung kreativ nutzen möchte. Solche Gespräche können durch Reibungspunkte in Gang gebracht werden.
Ein festgehaltenes Selbstverständnis kann nur der Ausdruck einer Momentaufnahme sein. Zudem bedarf es den festen Willen die Gespräche auf sich wiederholende Parameter, von denen immer Ausnahmen existieren zu forcieren.
Beitrag verlinken am 18.01.2010 geschrieben
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Ich wollte nochmal kurz betonen, dass wir es aufgrund der Kritikpunkte, die damals schon aufkamen, von "Manifest" als etwas Unveränderbarem, Feststehendem in ein "Selbstverständnis" umbenannt haben, dass sich sogar wandeln und anpassen soll! Wie gesagt ein "lebendiges" Dokument, das keine politische Erklärung sein soll, sondern das gemeinsame Werte, Vorstellungen und erfolgreiche Projekte der Community darstellt. Ich fände es irgendwie schade, wenn man sowas nicht zusammenstellen könnte, aber würde es natürlich akzeptieren, wenn die Mehrheit sich dagegen ausspricht.

Deswegen haben wir kurzerhand eine kleine Online-Umfrage gestartet, um die "vibes" der Community nochmal genauer herauszufinden: http://educamps.elearning2null.de/2010/01/18/wer-sind-die-educamper/

Es ist auch richtig, dass es am Anfang einen Termin gab, bis zu dem eine erste Version stehen sollte. Das lag aber vor allem daran, dass wir eine aktuelle Version für eine Veröffentlichung in einem Sammelband zum Thema "Offene Bildungsinitiativen" einreichen wollten, um die Relevanz des EduCamps in der Zukunft noch weiter zu erhöhen und u.a. den Begriff EduCamp auch zunehmend "wikipedia-sicher" zu machen Es ist explizit am Ende des Selbstverständnisses nochmal hervorgehoben, dass das Dokument jederzeit über die Forumsdiskussion weiterentwickelt und anschließend aktualisiert werden soll, so wie es jetzt ja auch gerade passiert.

Das "harmlos" bezog sich lediglich auf das Statement von Lisa Rosa. Denn darin stellte sie ja fest, dass die Formulierungen zur Nutzung des Internets aus ihrer Sicht noch zu vorsichtig seien. Sonst hatte es wirklich keine konkreteren (politischen) Absichten.

Viele Grüße
Marcel
Beitrag wurde am 18.01.2010 vom Verfasser bearbeitet
Beitrag verlinken am 18.01.2010 geschrieben
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Mein Kommentar im Blog zur Umfrage:
Welcher Psychologe steckt da denn dahinter
“Wie wichtig ist es Euch, dass die EduCamp-Community ein eigenes Selbstverständnis hat?”
Wenn ich jetzt “weniger wichtig” oder “unwichtig” klicke – was passiert dann mit mir? Kann mir die Bewegung wichtig sein und ich gleichzeitig unwichtig klicken? Spannend was das Manifest-Thema hier auslöst… das könnte noch zu einer “Special-Session” in Hamburg werden!

Nachtrag:
Geht es um ein gemeinsames Selbstverständnis, oder um das Manifest?
Also eher um Werte, oder um eine öffentliche Erklärung zu Zielen und Absichten der EduCamper?
Beitrag wurde am 18.01.2010 vom Verfasser bearbeitet
Beitrag verlinken am 18.01.2010 geschrieben
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Hintergrundüberlegung zu Manifesten und anderen Absichtserklärung:

Wie weiter oben geschrieben, sehe ich das so, wie Heinz von Foerster zum Thema Ethik. Wenn ich mal bewusst stark verallgemeinere und alle Absichtserklärungen, die wir so haben betrachte, dann fällt mir eines auf: Sie werden entweder nicht eingehalten und / oder schränken ein.

Wir haben das Grundgesetz, die verschiedensten Gleichstellungserklärungen, religiöse Zeilen, parteiliche Erklärungen, bildungsbezogene Manifeste usw. usf. - Haben diese Absichtserklärungen, Gesetze usw. zur Auswirkung, dass diese - so wie aufgeschrieben! - umgesetzt werden?

Ich denke wenn wir "nur" - z.b. diesen Artikel der Menschenwürde - ernst nehmen würden und uns auch so verhalten würden, dann bräuchte es nur noch wenig mehr, was es aufzuschreiben gäbe, wenn überhaupt.

Ich lese keine Manifeste, wenn ich Menschen sehe, die etwas bewegen, was durch das Tun ganz deutlich macht, welche Werte dahinter stehen. Von daher brauche ich persönlich kein Manifest, sondern viel lieber ganz viele Projekte, Taten, Verhaltensweisen, die keiner Worte bedürfen.

Ich sehe dann ganz genau welchem Manifest diese Menschen folgen. Das reicht mir, um mich zu entscheiden, ob das auch eine Möglichkeit, ein gehbarer Weg für mich ist.

Mit den Werten, dem Selbstverständnis, was ich nicht aufgeschrieben, aber tief in mir spüre =)



Beitrag wurde am 18.01.2010 vom Verfasser bearbeitet
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