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Themenwunsch: Zukunft des Lehrbuchs

Beitrag verlinken am 16.03.2012 geschrieben
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@Wolfgang

"Ich finde wir brauchen viel mehr Zutrauen in unsere Fähigkeiten, die Zukunft zu gestalten. Alten Wein in neuen Schläuchen zu verbreiten, indem ich ein CC darauf klebe, wäre mir als Vision zu wenig."

Danke für den Beitrag! Das ist die Richtung, die aus meiner Sicht oft noch zu kurz kommt, Lerner in jeder Form müssen systemisch unterstützt werden, wir brauchen Bedingungen, unter denen konstruktivistische Aktivitäten möglich sind, bei allen Beteiligten. Bei jungen Leuten findet man heute schon eine große Bereitschaft, sich auf Projekte, offene Arbeitsformen, Vernetzung in der Umgebung und im Netz etc. einzulassen, bei den Professionellen im Bildungsbetrieb ist diese Bereitschaft eher unterrepräsentiert. Vor allem bei LehrerInnen findet man häufig noch Content-Orientierung und den Habitus des Solotänzers.

Beitrag verlinken am 16.03.2012 geschrieben
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Lisa Rosa:
Mir scheint, wir würden mit dem Schulbuch/Lehrbuch/textbook genau das alte Unterrichten /lehren wieder zum Zentrum des Geschehens machen. Alter Kack in neuem Frack. Und das macht dann auch noch furchtbar viel Arbeit an der falschen Stelle. (...)

Hallo,

ich will Dir gleich erst einmal zustimmen: Mir geht es nicht um diese Dinger, die in der Bibliothek stehen und an denen Schüler und Studenten schwer zu schleppen haben. Ich denke eher an OER, in welcher Form auch immer. Dabei ging es mir ursprünglich auch um den Erstellungsprozess, die Motivation von Mitwirkenden und vor allem die Qualitätssicherung, die dafür sorgen soll, das Lernende und Lehrende die Inhalte einsetzen können, ohne jeden Satz vorher noch einmal auf Richtigkeit zu prüfen.

Die Idee von Wolfgang in Richtung Portfolio gefällt mir dabei sehr gut, nur ist das eine andere Perspektive, nämlich die des Lernenden. Gleichermaßen brauchen aber auch Lehrende Materialien, mit denen Sie arbeiten können. Wo kommen die her und wo gehen die hin?

Beitrag verlinken am 16.03.2012 geschrieben
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Wenn es um Lehrmaterialien geht, mit denen Lehrende sich fachlich bilden, um besser in Lernzusammenhängen mit anderen Lernern kooperieren zu können, dann liegt die Qualitätsprüfung beim jeweiligen Lehrer. Lehrmaterialien für SuS im Sinne von Lehrbüchern, die dann Lernzwangbücher werden, sollte es in Zukunft nicht mehr geben. Beispiel Deutschunterricht: alles, was mit Sprache, Literatur, Kommunikation etc. zu tun hat, sollte potenziell Gegenstand des Unterrichts sein. Jeder Kanon, jede (zwangsläufig einseitige) Literaturgeschichte, jede (zwangsläufig subjektive) Auswahl an Texten zur Kommunikation etc. ist kontraproduktiv für konstruierendes personales Lernen. Wenn z.B. SuS sich für Einführung in moderne Lyrik PoetrySlam und ähnliche Formen performativer Lyrik aussuchen, brauchen sie kein Lehrbuch, dann brauchen sie höchstens einen Coach, der die Vernetzungs- und Kooperationsmöglichkeiten in diesem Bereich schon etwas ausgelotet hat und der organisatorische Möglichkeiten hat, reale Vernetzung in die Projektarbeit einzubauen.
Beitrag verlinken am 16.03.2012 geschrieben
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Klaus Meschede:
(...) Lehrmaterialien für SuS im Sinne von Lehrbüchern, die dann Lernzwangbücher werden, sollte es in Zukunft nicht mehr geben (...)

*lach* hach ja, genau. Bei Schülern kann ich mir das noch vorstellen, da hier die Lehrer für Präsenzunterricht eingestellt sind. Aber wenn man sich die Situation an den Unis anschaut, kann man als Student ja fast noch froh sein, wenn man mehr als ein PDF oder die quasi-Kaufverpflichtung des Buchs vom Prof bekommt. Immer weniger Tutoren für immer mehr Studenten, hier ist das "mitgeben" von Lernmaterialien eine Absicherung -> guckt rein, da steht alles,  was Ihr für die prüfung braucht. Durchdachte Lehrkonzepte und kreativer Unterricht haben in Zeiten kurzfristiger Anstellungen im Hochschulbereich kaum einen Platz und sind derzeit nur bei ambitionierten, oftmals einzelkämpferischen Dozenten anzutreffen. Sonst heißt es doch "haben wir da was aus dem letzten Jahr".

So, sorry, der Ausflug in (zumindest meine derzeitige) Realität musste sein. Natürlich will ich nicht, dass das so bleibt und zähle mich zu den letztgenannten Akteuren. Auf dem EduCamp freue ich mich, mit anderen Ambitonierten zusammenzukommen und die Welt ein wenig besser zu machen. (Auch das ist durchaus ernst gemeint, ich hoffe, dass ich diese Realitätspessimismusausbrüche klein halten kann. Bei vielen ist das leider Alltag geworden.)

Beitrag verlinken am 16.03.2012 geschrieben
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Anja Lorenz:

. Gleichermaßen brauchen aber auch Lehrende Materialien, mit denen Sie arbeiten können. Wo kommen die her und wo gehen die hin?

Lehrende brauchen auch was, ganz genau.vAber sie brauchen nicht Material zum Lerngegenstand - nicht andere als die Schüler_innen jedenfalls. Was Lehrende brauchen, ist Material zum "Lernen lehren", denn selbstbestimmte Lernprozesse müssen auch und erst recht Sruktur, Rahmen "Raum" kriegen. Was ich zum Teil an Hilflosigkeit und Unerfahrenheit sehe, wenn Lernprozesse von Gruppen u Individuen, initiiert und professionell begleitet werden sollen, anstatt "classroom teaching" zu veranstalten, ist leider oft grotesk. Lehrer haben Unterrichten gelernt, nicht Lernprozesse moderieren und Coachen. Um das zu lernen, brauchen sie neue "Lehrbücher" - wie ich meine, in erster Linie in Form von Reflektierter Praxis, und vor allem Zeit für Professionelle Lerngemeinschaften, in denen sie das werkstattmäßig entwickeln. Fachexpertise kann sich der Lehrer selbst im Netz aktualisieren und erweitern, wozu hat er Lernen gelernt?
Beitrag verlinken am 16.03.2012 geschrieben
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Schade, dass ich nicht vor Ort dabei sein kann. Wünsche Euch viel Spass und bin gespannt auf Eure Ergebnisse.
tagsStichwörter: Lehrmaterialien
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