Menschenkonstrukte klingt ja ein bisschen sehr mechanisch. Aber ich weiß, was Du meinst. Ich glaube nicht, dass es uns an konsensfähigen Modellen von der menschlichen Natur und der Umwelt fehlt. Jeder hat Modelle, mit denen er sich die Welt und sich selbst erklärt. Wir können gar nicht ohne solche Modelle der Weltanschauung (im wörtlichen Sinne) existieren. Diese Modelle "erfinden" sich die Individuen natürlich nicht from scratch selbst, sondern sie konstruieren sie sich aus den vorhandenen gesellschaftlichen Angeboten, wovon es viele unterschiedliche gibt, aber auch ganz klar öffentlich prämierte, die dann die Mainstream-Modelle sind und als solche immer wieder reproduziert werden. Ich denke nicht, dass die Konsensfähigkeit - oder Viabilität - eines Modells in erster Linie von der Operationalisierbarkeit oder von der Simplizität abhängt, sondern eben von dieser öffentlichen Prämierung eines oder einiger verwandter Modelle, die überall kulturell verbreitet werden - von der Schulsozialisation über die Massenmedien bis hin zum täglichen Smalltalk.
Ich finde es gut, dass Du darauf hinweist, dass sich jeder klar machen muss, dass er immer und auch ohne es bewusst zu tun, mit einem solchen Modell "arbeitet", bzw. sein Denken und auch seine gesamte Lebenspraxis an diesem Modelkonzept orientiert. Es ist wichtig, dieses eigene Modell überhaupt erst mal zu identifizieren und zu kennen. Dann kann man es natürlich hinterfragen und eventuell nach einem Neuen suchen, wenn man meint, dass es nicht mehr zu den eigenen Erfahrungen passt (kognitive Dissonanz) oder feststellen muss, dass es in sich zu widersprüchlich ist. Aber erst DANN, wenn eine solche Suchbewegung nach einem neuen Erklärungsmodell in Gang gekommen ist, ist man daran interessiert, sich neue Modelle erklären zu lassen

Und auch dann braucht jeder eine Phase, in der er mit dem neuen Modellangebot streitend sich auseinandersetzt, bevor er dieses eventuell anstelle seines alten setzt. Wenn Dein Workshop eine solche kontroverse Auseinandersetzung mit deinem Welterklärungsmodell nicht nur zulässt, sondern nachgerade fordert und fördert, und nicht etwa nur als Belehrung daherkommt, dann fände ich ihn sehr spannend!