Ich bin noch neu hier ;), dennoch will ich mich nicht auf meinen Status „neu“ ausruhen!
Normalerweise ziehe auch ich es vor, erst einmal die Umgebung oder die Gruppe in ihren Verhaltensweisen und „Traditionen“ zu beobachten. Aus anderen Communitys habe ich diese Verhaltensweise erlernt. Oft stecken hinter einzelnen Communitys hochkomplexe Gebäude, Regelstrukturen etc. Es gibt sogar Handbücher, die mehrere Word-Seiten lang sind und die einem Neuling oftmals vorgelegt werden, damit sich dieser die Regeln durchlesen kann. Mit einem Schmunzeln beobachte ich so etwas, aber ich verstehe auch die Notwendigkeit einer Community, die sie zu dieser Handlung antreibt. Ziel ist vor allem die Systemerhaltung. Die Community ist aufgefordert Balance zwischen der Aufrechterhaltung des Systems und den so dringend notwendigen neuen Anreizen zu halten. Ein mehrseitiges Handbuch und dem Druck der Anpassung kann ganz schnell dem neuen Mitglied seine so wichtigen Ideen austreiben.
Ich glaube an diesem Punkt steckt eine ganz besondere Schranke. Auch ich habe in einer Community versucht neue Ideen der so genannten Web 2.0 Technologie zu implementieren. Der erste Versuch scheiterte. Man hörte mir zwar zu und fand das interessant, aber irgendwie war das Neue für sie vom „anderen Stern“ und man sah nicht die Notwendigkeit ein.
Ich habe lange überlegt, warum diese Leute, die täglich mehrere Stunden im Internet sind, sich dermaßen gegen Erneuerungen wehren. Mittlerweile glaube ich durch Gespräche und Beobachtungen, diese Personen spüren einen emotionalen Druck in sich. Hieß es doch bisher, dass sie durch ihre täglichen Anwendungen zu den Menschen gehörten, die am kompetentesten mit dem Web umgehen konnten. Und auf einmal komme ich daher und sage ihnen „E-M@il“Kommunikation ist in unserem Sinne inkompetent, lasst uns doch durch Google-Anwendungen miteinander kommunizieren.“ Der Vorteil lag meiner Meinung nach offensichtlich auf der Hand, aber er war eben rational. Ich glaube es ist schwer, verarbeiten zu müssen, dass man täglich im Web unterwegs ist, aber auf einmal nicht mehr zu den Leuten gehört, die an vorderster Front mitschwimmen. Eine Entwicklung ist fast unsichtbar an ihnen vorbei gegangen und zwar die Entwicklung zu Vernetzung und social-network Applikationen.
Im zweiten Versuch habe ich meine „Erneuerungen“ argumentationstechnisch umgestellt. Mäßig, vorsichtig und langsam tastet sich die anderen heran, aber die neuen Anwendungen beginnen zu überzeugen ;).
Eine Diskussionsplattform (social-network), wie wir sie hier haben, verlangt (auch die aktivsten Mitglieder ;)) nach Interaktion und zwar von Anfang an. Hier hat also eine Veränderung stattgefunden. Nicht das vorsichtige Vorantasten und zaghafte experimentelle Einbringen, wie wir es in Communitys bisher hatten, wird abverlangt, sondern, so verstehe ich es der aktive Einstieg von Anfang an (natürlich unter Berücksichtigung des bisher Geschriebenen) Diese Handlungsmuster sind für den bisherigen Web-Anwender neu und bedarf wie überall mutige Vorreiter *bg*, die den anderen es vor machen.
So sehe ich die Entwicklung zu mindestens in Deutschland. Darauf in Ilmenau hinzuweisen ist sicherlich zwingend notwendig, Verständnis entwickeln aber ebenso. Das ist nicht nur hoch interessant diese Entwicklung zu beobachten, so kann ich auch den einen oder anderen mitnehmen und aktivieren. Das es euch verwundert und teilweise entsetzt Jean-Pol Martin und Alexander Rausch kann ich gut nachvollziehen und dennoch freue ich mich über eure Gabe diese Beobachtung mit einem ironischen und einem schmunzelnden Auge zu begegnen. Dort ist glaube ich der erste Ansatzpunkt.
Ah ja, auch als Lehrer ist das ein emotionaler Tiefschlag, wenn es auf einmal heißt, dass die eigenen Schüler technisch viel versierter sind. Dann verschläft man aus Angst zu versagen, eine Entwicklung, dann die nächste usw…. (aber ich kann nur spekulieren, immerhin befinde ich mich auf der theoretischen Seite ;)) Ich bin mittlerweile von den Möglichkeiten, den Communitys (mit social-network Applikationen) anbieten so begeistert, dass ich gerne einmal ein Experiment an einer Gruppe/Klasse etc. wagen würde ;).