@Spannagel, Rausch, Swaid, Kraktky, Büffel:
Kommunizieren an sich mag eine Zeitlang ein gewisses Vergnügen bereiten, aber ohne konkrete Inhalte fehlt die Motivation. Wenn Studenten Kommunikationsplattformen nicht benutzen, dann liegt es daran, dass sie für ihre Ziele diese nicht brauchen. Ich selbst benutze nur deshalb Plattformen, weil ich zwar Partner vor Ort habe und sie persönlich kontaktiere, aber weitere Partner brauche für meine Projekte, die nicht vor Ort sind. Und da greift die virtuelle Kommunikationskompetenz: wie schaffe ich es, Leute virtuell anzulocken und vor allem festzuhalten. Um das zu erreichen, brauche ich ein operationalisierbares "Menschenbild": was brauchen Menschen? Und Abraham Maslow:
http://de.wikipedia.org/wiki/Abraham_Maslow
liefert mir hier ein gutes, weil einfaches und zuverlässiges Modell. Menschen haben über physiologische Bedürfnisse hinaus Bedürfnisse nach sozialer Einbindung, sozialer Anerkennung und vor allem ein Bedürfnis nach Sinn. Ich muss also meinen Studenten ein Projekt anbieten, das hohe Befriedigung langfristig verspricht. Sie müssen das Gefühl bekommen, dass sie an der Verbesserung ihrer eigenen Realität aber auch der Weltrealität beitragen. Das nenne ich Weltverbesserungskompetenz. Da ich in Pension gehe, möglicherweise aber auch in Äthiopien am Aufbau einer Uni mitwirken könnte, werde ich schrittweise eine (virtuelle und reelle) Gruppe aufbauen, die mir hilft, dort konkret Projekte zu unterstützen. Und dann werden die Leute, wie ich hoffe, kommunizieren, weil alle Faktoren vorliegen:
1. Projekt zur Weltverbesserung (motivation langfristig mitzuarbeiten)
2. Nicht ausreichende Partner vor Ort (face to face nicht möglich)
3. Notwendigkeit auf einer Plattform zu kommunizieren
Fazit (noch einmal): es ist legitim, dass die Studenten nicht virtuell kommunizieren wollen, wenn das Ergebnis der Kommunikation nur eine Note oder etwas ähnliches ist. Sie brauchen ein höheres Ziel!
Das ist übrigens auch die Motivation der Leute, die an der Wikipedia sehr intensiv und ohne "Lohn" arbeiten. Ich habe es in folgendem Artikel beschrieben (nur den Anfang lesen, Punkt 1 und 2):
http://www-edit.ku-eichstaett.de/Fakultaeten/SLF/romanistik/didaktik/Forschung/ipk/material/papers/wikipedia.pdf/