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Überzeugung und Motivation

Beitrag verlinken am 14.03.2008 geschrieben
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Mich interessiert schon seit längerem die Frage, wie man andere Personen vom Nutzen des Bloggens überzeugen kann. Ich beziehe mich dabei überwiegend auf den Hochschulbereich, erhoffe mir aber aufgrund der bunten Teilnehmerzusammenstellung auf dem EduCamp ganz viele Anregungen auch aus anderen Bereichen (z.B. Unternehmen).

Ich verdeutliche die Problematik mal an zwei Beispielen:

1. Wenn Weblogs in Veranstaltungen eingesetzt werden, dann werden diese oft bepunktet ("Du musst einen Artikel pro Woche schreiben und auch einen Kommentar, und dann bekommst du dafür n Punkte."). Dies führt dazu, dass Lernende für eine einzige Person bloggen, nämlich die Lehrperson. Das Bloggen wird so zum Pseudobloggen, echte Kreativität wird untegraben. Wie kann man aber eine Lernumgebung schaffen, in der Lernende autonom und aus Interesse bloggen? Ich habe im letzten Jahr eine Lernumgebung auf der Basis von Motivationstheorien konzipiert, insbesondere auf der Selbstbestimmungstheorie von Deci & Ryan. Diese Theorie besagt, dass selbstbestimmte Formen von Motivation dann wahrscheinlicher auftreten, wenn Lernende sich als autonom, kompetent und sozial eingebunden erleben (wer sich darüber näher informieren möchte: Ich habe die Konzeption der Lernumgebung in einem Artikel beschrieben:
http://www.ph-ludwigsburg.de/fileadmin/subsites/2e-imix-t-01/user_files/personal/spannagel/publikationen/Spannagel_Beitrag_Web_2_0_Workshop_Delfi2007.pdf
Die Bedeutung der Selbstbestimmungstheorie wird außerdem in einem aktuellen Artikel von Reinmann & Bianco hervorgehoben:
http://www.imb-uni-augsburg.de/files/Arbeitsbericht_17.pdf
]
Komplett zufrieden bin ich damit aber noch nicht. Die motivationale Situation wird dadurch zwar sehr begünstigt, dennoch gibt es zahlreiche Studierende, die in einer "freien" Umgebung tendenziell wenig bloggen. Wie kann man eine Lernumgebung schaffen, in der Studierende richtig Feuer und Flamme für das Bloggen werden?

2. Ich versuche seit langem (und leider vergeblich), Kollegen vom Nutzen des Bloggens für das eigene Wissensmanagement und für die Kommunikation untereinander zu überzeugen. Die häufigste Antwort dabei ist, dass dafür keine Zeit besteht. (Auch das Gegenargument hierzu von Helge Städtler, nämlich dass das "keine Zeit"-Argument eigentlich ein "Ich setze andere Prioritäten"-Argument ist, überzeugt leider oft nicht; vgl. http://www.ifeb.uni-bremen.de/wordpress_staedtler/?p=329
Hat jemand Erfahrungen gemacht, wie man eine Blog-Kultur ohne Zwang in einem Unternehmen aufbauen kann, und zwar so, dass es echte motivierende Faktoren gibt, ein Weblog zu führen?

Oder: vielleicht sollte man gar nicht überzeugen wollen? Ist das nicht zu "missionarisch"?

Ich würde mich sehr über eure Meinung / Anregungen / ... freuen!
Beitrag verlinken am 14.03.2008 geschrieben
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Mit dieser Problematik habe ich im Modul "Internet- und Projektkompetenz" acht intensive Jahre lang Erfahrungen gesammelt und am Ende ein sehr schönes Design erreicht. Nun möchte ich das hier nicht ausführen, weil jetzt Michael Kratky den Kurs verantwortet. Das wäre schön, wenn er hier mit dir ins Gespräch käme. Online ist er sowieso, das sehe ich am grünen Punkt!;-)))
Beitrag verlinken am 14.03.2008 geschrieben
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"Jean-Pol Martin":

Mit dieser Problematik habe ich im Modul "Internet- und Projektkompetenz" acht intensive Jahre lang Erfahrungen gesammelt und am Ende ein sehr schönes Design erreicht. Nun möchte ich das hier nicht ausführen, weil jetzt Michael Kratky den Kurs verantwortet. Das wäre schön, wenn er hier mit dir ins Gespräch käme. Online ist er sowieso, das sehe ich am grünen Punkt!;-)))


Ja, online ist er ;-))
In der Tat ist es schwierig, andere Leute (Teilnehmer eines Kurses/Lehrer in einer Fortbildung) von den Chancen partizipativer Tools zu überzeugen.
Im IPK sind der Umgang mit diesen Tools und der damit verbundene Kompetenzerwerb (technisch, aber auch sozial/empatisch bei der Akquise und Pflege internationaler Kontakte) Hauptinhalte. Diese werden anhand konkreter Projekte erworben.
Für meine Veranstaltungen neben dem IPK habe ich mir im Sommer folgendes überlegt:
-Anstelle einer Klausur werden die Teilnehmer während des Kurses schrittweise eine Art Portfolio erstellen.
- Dies wird auf einer Plattform geschehen, wahrscheinlich werde ich einen Kurs in der Wikiversity anlegen.
- Die TN werden damit gezwungen (eine andere Lösung sehe ich gerade nicht), sich mit wikis auseinanderzusetzen und diese zu nutzen. Gleichzeitig werden sie die Vorteile wie die ständige Verfügbarkeit der Inhalte, egal wo man ist, oder Möglichkeit, jederzeit Veränderungen durchzuführen, kennenlernen.
Beitrag verlinken am 14.03.2008 geschrieben
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"Michael Kratky":

- Die TN werden damit gezwungen (eine andere Lösung sehe ich gerade nicht), sich mit wikis auseinanderzusetzen und diese zu nutzen. Gleichzeitig werden sie die Vorteile wie die ständige Verfügbarkeit der Inhalte, egal wo man ist, oder Möglichkeit, jederzeit Veränderungen durchzuführen, kennenlernen.


Dabei besteht natürlich die Gefahr, dass sie das Portfolio nicht für sich, sondern für dich führen. Eigentlich ist ein solches Instrument ja zur eigenen Entwicklung da (d.h. man schreibt es in erster Linie für sich) und zum Austausch mit anderen, also den Seminarteilnehmern (daher ja auch das Portfolio im Web). Wenn das Portfolio aber bewertet wird, dann richtet sich beim Schreiben der Blick weg von den inhaltlichen Aspekten hin zur Bewertung. Der Dozent liest und bewertet ja schließlich die Beiträge, also müssen sie in erster Linie darauf hin abgefasst werden. Dies könnte beispielsweise die Lernenden hemmen, eigene Fehler im Portfolio zu diskutieren, was ja enorm wichtig für die Reflexion des eigenen Lernprozesses ist.

Ich befürchte, dass die Studierenden nicht mehr frei und autonom die Werkzeuge nutzen (so wie das ja "im wirklichen Web-2.0-Leben" geschieht), sobald die Beiträge bewertet werden.

Hast du da schon Erfahrungen gemacht oder Ideen, wie man da entgegenwirken kann?
Beitrag verlinken am 14.03.2008 geschrieben
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"Christian Spannagel":


-Dabei besteht natürlich die Gefahr, dass sie das Portfolio nicht für sich, sondern für dich führen. Eigentlich ist ein solches Instrument ja zur eigenen Entwicklung da (d.h. man schreibt es in erster Linie für sich) und zum Austausch mit anderen, also den Seminarteilnehmern (daher ja auch das Portfolio im Web). Wenn das Portfolio aber bewertet wird, dann richtet sich beim Schreiben der Blick weg von den inhaltlichen Aspekten hin zur Bewertung. Der Dozent liest und bewertet ja schließlich die Beiträge, also müssen sie in erster Linie darauf hin abgefasst werden. Dies könnte beispielsweise die Lernenden hemmen, eigene Fehler im Portfolio zu diskutieren, was ja enorm wichtig für die Reflexion des eigenen Lernprozesses ist.

Ich befürchte, dass die Studierenden nicht mehr frei und autonom die Werkzeuge nutzen (so wie das ja "im wirklichen Web-2.0-Leben" geschieht), sobald die Beiträge bewertet werden.

Hast du da schon Erfahrungen gemacht oder Ideen, wie man da entgegenwirken kann?




-Ich hätte dazu schreiben sollen, dass ich mich auf die Veranstaltungen beziehe, bei denen kein benoteter Schein, sondern nur einen Teilnahmeschein verlangt wird. Inhaltlich werde ich das Portfolio nicht bewerten, das soll ja jeder für sich machen. Dennoch wird die Anlage eines Online-Portfolios Pflicht sein. Ich denke, dass die Studierenden es sonst einfach nicht machen würden und damit gar nicht wüssten, welche Chancen sie vergeben.
Meine Kollegin hat mich heute morgen darauf gebracht, als wir überlegt haben, wie wir unsere Seminare organisieren. Sie hatte sehr positives Feedback auf das "Pflichportfolio" bekommen, allerdings nicht direkt nach der Veranstaltung, sondern erst 2 Semester später, als sich die Teilnehmer auf das Staatsexamen vorbereitet hatten.
Ich habe es so natürlich noch nie gemacht und probiere es einfach mal aus!

Bei den benoteten Veranstaltungen, bei denen LPO-Scheine in der Lehrerausbildung erworben werden, könnte ich es ja zusätzlich als Teilnahmebedingung aufnehmen und am Ende trotzdem eine Klausur bzw. Seminararbeit verlangen.
Beitrag verlinken am 14.03.2008 geschrieben
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"Michael Kratky":

-Ich hätte dazu schreiben sollen, dass ich mich auf die Veranstaltungen beziehe, bei denen kein benoteter Schein, sondern nur einen Teilnahmeschein verlangt wird. Inhaltlich werde ich das Portfolio nicht bewerten, das soll ja jeder für sich machen. Dennoch wird die Anlage eines Online-Portfolios Pflicht sein. Ich denke, dass die Studierenden es sonst einfach nicht machen würden und damit gar nicht wüssten, welche Chancen sie vergeben.
Meine Kollegin hat mich heute morgen darauf gebracht, als wir überlegt haben, wie wir unsere Seminare organisieren. Sie hatte sehr positives Feedback auf das "Pflichportfolio" bekommen, allerdings nicht direkt nach der Veranstaltung, sondern erst 2 Semester später, als sich die Teilnehmer auf das Staatsexamen vorbereitet hatten.
Ich habe es so natürlich noch nie gemacht und probiere es einfach mal aus!

Bei den benoteten Veranstaltungen, bei denen LPO-Scheine in der Lehrerausbildung erworben werden, könnte ich es ja zusätzlich als Teilnahmebedingung aufnehmen und am Ende trotzdem eine Klausur bzw. Seminararbeit verlangen.


Ok, wenn dadurch keine Note erworben wird, ist das natürlich weniger drastisch. Dennoch bleibt zu überlegen, wie man die Studierenden dann auch dafür begeistert (!). Man könnte natürlich hoffen, dass sich die Begeisterung von selbst einstellt. Wenn man aber darauf hinarbeiten möchte und eine Lernumgebung schaffen möchte, in der sich die Begeisterung mit einer höheren Wahrscheinlichkeit einstellt: Wie müsste man diese Lernumgebung/Bedingungen/... gestalten?
Beitrag verlinken am 14.03.2008 geschrieben
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Mmh, vielleicht einmal eine Möglichkeit, um die Richtung möglicher Anregungen aufzuzeigen: Man könnte doch beispielsweise kleine Wettbewerbe veranstalten der Form "Weblog-Artikel der Woche", bei denen die Studierenden für Artikel der Teilnehmer voten könnten. Das wäre eine moderate "extrinsische" Motivation, die unter Umständen dazu beiträgt, sogar die Qualität der Weblog-Artikel zu erhöhen. Was haltet ihr davon? Oder habt ihr ähnliche/andere Ideen?
Beitrag verlinken am 14.03.2008 geschrieben
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Hmm. Motivation und Begeisterung. Das ist so ne Sache. Übertragen tut die sich am natürlichsten, wenn der Lehrende sein Fach/Projekt selbst mit Begeisterung betreibt.

Ist es denn nicht generell so das Schüler und Studenten für Noten und Prüfungen lernen und die Hausarbeiten nicht für sich sondern für den Prüfenden schreiben.

Der Lehrende muss sein Fach mit Begeisterung betreiben damit der andere begeistern kann. Dennoch muss er Aufgaben zur Pflicht machen und mit Maßnahmen bei minderer Qualität verknüpfen.
Beitrag verlinken am 14.03.2008 geschrieben
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Auf intrinsische Motivation allein kann man sich wahrscheinlich nicht verlassen, daher finde ich Christians Idee, einen "Anreiz" wie den Artikel der Woche o.ä. sehr gut.
Letzte Woche habe ich mit viel Begeisterung (vielleicht war es zu viel) einer Gruppe Gymnasiallehrer die Funktionsweise der Wikipedia und die Möglichkeiten von Plattformen wie der Wikiversity vorgestellt. Das Prinzip an sich hat die Damen und Herren völlig kalt gelassen... nur Stirnrunzeln...
Beitrag verlinken am 14.03.2008 geschrieben
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"Tamim Swaid":


Ist es denn nicht generell so das Schüler und Studenten für Noten und Prüfungen lernen und die Hausarbeiten nicht für sich sondern für den Prüfenden schreiben.


- Oft ist es in der Tat so, wenn die Inhalte die Schüler nicht genug "anmachen" und alle von Schülerseite erstellten Produkte/Präsentationen/Äußerungen im Fremdsprachenunterricht vom Lehrer bewertet werden. Wenn man den Unterrichtsdiskurs in einer notenfreien Atmosphäre hält, gehen die Schüler höhere Risiken ein und liefern insgesamt kreativere und qualitativ bessere Beiträge - so habe ich es in Jean-Pol Martins Klasse wahrgenommen.
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