Beide Begrifflichkeiten sind sehr ähnlich. Ein Unterschied zwischen beiden ist meines Erachtens auch kaum wahrnehmbar und dennoch so groß, dass er nicht übersehen werden darf, wenn sich eine verfälschte Benutzung der Begriffe nicht durchsetzen sollte.
Christian Spannagel:
Man wundert sich schon ein bisschen, dass "kollektive Wissenskonstruktion" bei Wikipedianern auf Ablehnung stößt, obwohl sie doch eigentlich nichts anderes machen. ;-)
Ich verstehe das eher so: die Wikipedianer erarbeiten in Gruppen der unterschiedlichsten Größen, gemeinsam an den Verbesserungen einzelner Artikel. Das ist der kollaborative Anteil der Wissensgenerierung.
Hat sich ein Artikel über einen längeren Zeitraum etabliert und es wurde nichts weiter an ihm verändert, ist er in das kollektive Wissen übergegangen. Kollektivierung steht ja auch synonym für [i]“ins Gemeineigentum überführen“[/i]. Die Wikipedianer haben sich auf eine Bedeutung (zu mindestens für einen Zeitraum) geeinigt. [url="
http://beat.doebe.li/bibliothek/p01980.html"] Gabi Reinmann[/url] bezeichnet diese Form des Wissens wiederum als Information. (Vielleicht macht diese Unterscheidung noch einmal den kleinen Unterschied zwischen kollektiver und kollaborativer Wissenskonstruktion deutlich? Eine kollektive Wissenskonstruktion, im wahrsten Sinne des Wortes gibt es meiner Meinung nach nicht. „Kollektiv“ ist gleichbedeutend mit einem Zustand, der über einen Zeitraum stabil ist und „Wissenskonstruktion“ ist ein Prozess. (darauf hatten wir uns auch geeinigt, oder?) Beide Begrifflichkeiten in einer Wortkombination unterzubringen ist hinterfragenswürdig.
Allerdings können die Wikipedianer mit Recht behaupten, dass sie in einer Gruppe (Kollektiv) Wissen konstruiert haben.
Ich bin mit dabei, den Artikel in der Wikipedia „kollektive Wissenskonstruktion“ vor der Löschung zu bewahren ;).
Noch ne kleine Anmerkung: *bg* Ich bin ehemaliger DDR-Bewohner (klingt witzig ;)), aber ich habe wohl wenig Erinnerungen daran. Ich habe mal meinen Prof. mit einer „kollektiven Theorie“ konfrontiert. Dabei habe ich schmerzlich feststellen müssen, dass er nicht rational versuchte mit mir zu diskutieren, sondern emotional das Thema abwürgte. Das war eine sehr interessante Erfahrung. Er in der ehemaligen „BRD“ geboren und arbeitend, hat wohl aus soziologischer Vorbelastung des Begriffs durch die Nationalsozialisten, so reagiert.
Grundsätzlich glaube ich, ist der Begriff „Kollektiv“ aus allen möglichen Richtungen belastet, aber das sollte uns ;), doch nicht daran hindern, so rational, wie möglich zum Kern des eigentlichen Begriffes vorzudringen. Ein E.Durkheim, Ferdinand Tönnies usw…, die diesen Begriff im Wesentlichen mitgeprägt haben, können weder für das eine noch das andere etwas. ;)
@ Alexander Rausch
Danke für den Link zum Interview mit Peter Kruse