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Ist das Educamp nur Web 2.0 und neue Medien?

Beitrag verlinken am 16.03.2011 geschrieben
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Wahrscheinlich werde ich nachfolgend reihenweise in alle möglichen Fettnäpfchen treten. Sorry!

Ich bin ein "alter" Lehrer und arbeite in der Schule massiv mit neuen Medien, nutze Moodle, erstelle Videos, lasse filmen, recherchieren, setze Youtube ein usw.

Seit drei Jahren unterrichte ich jetzt fast ausschließlich in Laptopklassen und bewege mich stets im Netz, meine Schüler auch - aber halt woanders

Das Netz hat Vorteile und außerordentlich viele Schattenseiten. Die Ablenkungsmöglichkeiten durch die Rechner sind massiv. Die Konzentrationsspanne schwindet, ein Dialog ohne Störungen ist viel schwieriger aufzubauen als vor Jahren. Die Schüler beklagen sich in ruhigen Minuten selbst über den eigenen Konzentrationsmangel aber .... moment ich muss mal kurz in Facebook ....

Für viele ist es ein Traum: Klassen voller iPads, Laptops, Androids. Für mich ist es inzwischen ein Alptraum. In den Pausen bleiben die Schüler vor dem Rechner sitzen und verschwinden in irgend einer Ecke des Netzes. Es ist ruhig, ungewohnt ruhig. Von Zusammenarbeit, Konstruktion gemeinsamen Wissens usw. ist in der realen Welt nichts zu sehen, aber vielleicht findet diese ja in den Köpfen statt. 

Meine Erfahrung ist ernüchternd, und langsam kann ich diese WebEuphorie nicht mehr hören.

Reden wir doch mal darüber, wie man eine offene Lernathmosphäre schafft, wie man zu einer vehlerfreundliche Haltung kommt und wie man zu einem guten Klassenzusammenhalt beitragen kann. Darüber wird im Educamp kaum geredet.
Fairerweise muss man zugeben: Darüber gibt es auch wenig know-how.

Mein Wunsch für die Zukunft wäre etwas weniger WEBuCamp und etwas mehr Educamp

 

Herbert

 

Beitrag verlinken am 17.03.2011 geschrieben
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Toll, auch solche Stimmen zu hören. Ich neige dazu, Tools nicht ausschließlich, sondern ergänzend/effektivierend einzusetzen - Moodle / Wordpress haben z.B. ihren festen Platz dort, wo sie synchrone Kommunikation nicht substituieren, sondern asynchrone Prozesse erleichtern, z.B. bei Hausaufgaben oder Projekten - innerhalb des Unterrichts sehe ich da eher weniger Potentiale, weil der Vorteil ja gerade in der Präsenz der Anwesenden besteht.

Deine Gedanken und Erfahrungen zu Laptopklassen finde ich bemerkenswert.

Gruß,

Maik

Beitrag verlinken am 17.03.2011 geschrieben
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Ich denke das Educamp ist natürlich mehr als nur die neue LernApp zu beprechen. Aber wie so oft wird die Diskussion um Neues Lernen mehr von den Erscheinungen (Technik) als von den Inhalten beeinflusst. Was für mich immer erschreckend ist, bleibt die Tatsache dass (und damit ist man weg von der Bildung und bei der Politik) der Glaube an die Substitution von Lehrenden durch Technik ungebrochen ist.

Wenn im Klassenraum keine Ruhe oder Aufmerksamkeit herrscht kommt der Ruf nach Klassenraumsteuerungssoftware oder der Abschaffung der Spielzeuge. Ich sehe hier als Lösung nur die Autorität (durch Kompetenz, nicht Hierarchie) des Lehrers das Lernziel aufzuzeigen und die Lernmotivation auszulösen.

Schüler die diese beiden Faktoren ignorieren werden auch durch Sanktionen (z.B. Entzug des Internets) nicht zum Lernen gebracht werden. Also ist man wieder bei der Frage wie sieht die ideale Lernbeziehung und Lernumgebung aus. 

Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass diese Techniken als Kulturtechniken er- und bekannt sein müssen, um Wissen in dem heutigen Lebensumfeld der Schüler gestalten zu können. Es ersetzt eben nur keine didaktische oder pädagogische Kompetenz.

Beitrag verlinken am 17.03.2011 geschrieben
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Fettnäpfchen? Wo? Kann keine finden. 

Ich finde, die Konzentration auf die Frage eingesetzter Medien geht an der Bildungsfrage (ein bisschen) vorbei. Laptopklassen, iPad-Klassen… Ach was. Ich unterrichte Schülerinnen und Schüler in Lerngruppen, die unterschiedlichen Fragestellungen mit unterschiedlichen Medien begegnen. Hat jemals jemand über eine Buch-Klasse, eine Füller-Klasse, eine Kugelschreiber-Klasse gesprochen.

Eine Diskussion zu dem von dir angeregten Thema ist fällig, wenn ich auch meine, im Kontext eines educamps, in dem es ja scheinbar traditionellerweise um medienpädagogische Fragestellungen mit einem Schwerpunkt auf digitalen, vernetzten Medien geht, könnte die Frage lauten, wie digitale Vernetzungsstrategien gemeinsam mit analogen Konzentrationsstrategien gedacht und gemacht werden können. Eine LogOut, wie ihn Clifford Stoll schon angeregt hat, halte ich bislang für alles andere als zielführend. Was also geht?

Interessant wäre für mich dabei auch die Frage: Wie gehen eigentlich die Unterrichtenden mit der Frage um, wie gehen sie selbst mit der Frage Online-Offline um und was hat dieser Umgang mit der Frage mit Erfahrungen in der Schule zu tun. Gibt es da überhaupt Verbindungen, sind es unterschiedliche Welten? Gibt es womöglich auch Lehrer, die als Lehrer im Netz aktiv sind, sich aktiv vernetzen, aber im Unterricht digitale Medien eher sparsam einsetzten oder vielleicht dazu kommen, dass eine „selbstverständliche“ Integration in den Unterricht erfolgt.

Fortsetzung vielleicht in einer Session auf dem Educamp.

Gruß,

Torsten Larbig

Beitrag verlinken am 17.03.2011 geschrieben
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Die Füllerklasse ist im übrigen auch aus ganz anderen Gründen am Aussterben.

Aber es ist ein sehr wichtiger Punkt, der auch die Ressentiments gegen die Technologisierung des Unterrichts erklären könnte. Das Medium mit dem Informationen aufgenommen, bearbeitet und weitergegeben werden hat natürlich auch einen großen Einfluss auf die Form der Inhalte. Wenn man gegen "die Grenzen der Sprache anrennt" (Wittgenstein oder Schopenhauer?- müsste ich mal googeln) dann sind die Grenzen natürlich durch die Form der Kommunikation gesetzt.

Schüler die Shakespeare lesen sind oft von dem anstrengenden Englisch frustiert. Wenn man aber sieht wie tief und punktiert die Bedeutung in seinen Texten steckt, nur dann kann man seine geniale Fähigkeit mit nur einem Satz das ganze menschliche Dilemma zusammen zu fassen würdigen.

Das soll heißen ein Lehrer der ethische Grundsatzüberlegungen mit seinen Schülern erarbeitet kann das kaum adäquat im SMS-Stil machen. Schwer den kategorischen Imperativ mit 164 Zeichen zu erklären. (Die Bildzeitung kann alles mit 3 Zeilen und maximal 60 Zeichen erklären)

Fraglich bleibt aber: Ist das Wissen und der Wissenserwerb durch die digitalen Zugänge und Plattformen konstant, mehr oder weniger geworden? Ich glaube niemand würde sagen die Technik bringt uns in die Steinzeit. Aber Texte die digital entstehen müssen vielleicht nicht mehr so mühsam überlegt sein, wie die Klassiker die mit Tinte und Federkiel entstanden sind.

Also muss heutzutage der Füller als Kulturobjekt beherrscht werden oder tut es das Grafiktablett oder die Touchoberfläche auch?

 

http://www.youtube.com/watch

Beitrag verlinken am 25.03.2011 geschrieben
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Hallo Hebert,

ich kann nur in der Nachlese dabei sein, aber erneut sind Deine Gedanken sehr denkwürdig!

Viel Energie geht beim Educamp in die Spielzeuge der Digitalen Revolution, die nun vom Mittel zum Zweck zu werden drohen.

Wer nun nach Strategien sucht mit der Explosion der Möglichkeiten umzugehen, sollte ruhig mal einen Blick in das verstaubte Archiv der traditionellen Didaktik wagen.

Denn eines ist klar: Noch werden wir nicht mit drahtloser Schnittstelle im Kopf geboren und auch die Generation iphone macht ihre ersten Lernerfahrungen immer nocht tastend, schleckend, krabbelnd und babbelnd. Und sie macht diese Lernerfahrungen im unmittelbaren und authentischen Zusammenspiel mit einer physisch nahen Mutter.

Es ist nicht auszuschliessen, dass dieses initiale Lernmodell auch noch später mit Facebook, Twitter und Co. konkurrieren kann. Man denke nur an die Ansätze von Nonaka.

Herzliche Grüße nach Nürnberg

Gerold

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